Schulbau
Elterninitiative ein Weg in die Zukunft !
Wir bauen unsere Schule
Eltern, Kinder und Freunde wickelten Mitte des Jahres 1997 für 6 Wochen die Ärmel hoch und machten unsere Schule bezugsfähig.
Über die ereignisreichen Monate bis zum ersten Handgriff und die folgende Bauzeit am Gebäude könnte es viel zu sagen geben. Allein dem Verfasser dieser Schrift liegen 2 Ordner mit Aktennotizen und Schriftverkehr vor.
Ich entschied mich letztendlich für "weniger ist mehr".
Die, die dabei waren, werden noch über Jahre davon berichten können. Die, die neu dazukommen, werden sich für zukünftige Aufgaben mehr interessieren. Und Dritte wird das Ganze, da Vergangenheit, wenn überhaupt, nur am Rande berühren.
Kurzum:
Nach unserem 3-tägigen Gedankenaustausch Anfang Januar 1997 entschlossen wir uns, das Gebäude in Walhausen anzugehen - vorausgesetzt, die Sanierung könnte ab spätestens April des gleichen Jahres betrieben werden. Die Monate verstrichen, die Genehmigung lag nicht vor, die Unsicherheit wuchs. Wir wollten keine Verbindlichkeiten durch einen Kauf eingehen, und suchten Alternativen.
Es wurden mit der Gemeinde Nohfelden Verhandlungen über eine Anmietung von Räumen in der Gesamtschule Türkismühle geführt. Der Vertrag war gerade unterschriftsreif, da fiel die Schule durch eine Gesetzesreform an den Landkreis. Frohen Mutes alles von vorn, mit dem Ergebnis, dass sich aus den unterschiedlichsten Gründen in Türkismühle kein Platz für uns fand. Als Alternative konnte man uns Räumlickheiten in der St. Annenschule in St. Wendel anbieten und erarbeitete den Mietvertrag.
Sie ist da - unsere Genehmigung. Wenn auch erst kurz vor den Sommerferien. Jetzt wollen wir doch kein Provisorium - wir wollen das, nach langen, erfolgreichen Verhandlungen (mündlich !) gekaufte alte Schulgebäude Walhausen in einem gewagten Handstreich zumindest soweit herrichten, dass der Bezug aus Sicht des Schulministeriums möglich ist.
Was nachfolgte, spottet jeder Beschreibung. Innerhalb von nur 6 Wochen schaffte es ein ausgeprägter Teamgeist, den jetzigen Stand der Schule zu bewerkstelligen:
- Ausräumen des gesamten Gebäudes von Keller bis Dach - Abbruch alter Zwischenwände und der abgehängten Decken - Entfernen alter Bodenbeläge - Neuverlegung der Elektrik - Montage neuer Waschbecken und Abläufen sowie von Fliesenspiegeln in den Klassenzimmer, Einziehen von Gipskartondecken im Erdgeschoß - Montage der Bbbeecken - Verputzen fast aller Wände und der Decken mit Lehmputz - Streich- und Lackierarbeiten - Sanierung (abziehen, schleifen, grundieren und lackieren aller Türen, Türrahmen und soweit nicht erneuert, der Fenster - Einbau einer Schließanlage - Wahl und Montage der Beleuchtungskörper - Überarbeitung und Gestaltung der Haupteingangstür - Verlegen, abschleifen, ölen und wachsen eines neuen Bodens in allen Zimmern - Herrichten alter Möbel - Anfertigung neuer Möbel, Schutzleisten, einer Garderobe u.s.w. bis hin zum Briefkasten - Toilettenschüsseln putzen, neue Deckel und Zuläufe montieren - Fliesen scheuern, - Spiel setzen - Überarbeiten der Regenrinnen im Eingangsbereich und Festsaal, Gartengestaltung, Drainagierung des Festsaales - Erneuerung der Rinne am Hauptdach, Kontrolle und Richten der Dacheindeckungen - Abschlagen losen Putzes an der Aussenfassade - Aufputzen, Grundieren und Streichen der Gebäudehauptansicht - Gerüstbau - allg. Beschilderung - Entfernen des zermürbten Asphaltes auf dem Schulhof und Auftragen einer Sicker- und Mulchsicht - Montage neuer Fenster, neuer Heizkörper und Zuleitungen, letzteres durch zwei Fachfirmen - Begehungen mit Behörden, Versicherungen, Berufsgenossenscahft - Kochen, Verpflegen, Kinderbetreuung, Koordinieren der Abläufe, Materialeinkauf und auch mal feiern. U.s.w. und so fort, und wie gesagt in 6 Wochen (incl. Sonntage), bestimmt wurde noch einiges vergessen.
Die Geschichte einer Schulinitiative
Kaum zu glauben: die ersten Wurzeln der Freien Waldorfschule Saar-Hunsrück reichen bis ins Jahr 1985. Damals wie heute suchten Menschen nach einer Pädagogok, die Kinder mit Spass lernen und sie zugleich zu kritischen Erwachsenen reifen läßt. Sowohl in Birkenfeld, als auch in St. Wendel fanden sich unabhängig voneinander Menschen zusammen, um dieses Ziel zu verwirklichen.
"Wer will eine Waldorschule in St. Wendel?" So lautete schon 1985 die Frage einer Veranstaltung, zu der sich über 150 Menschen allein aus dem Kreis St. Wendel trafen. Aus diesem großen Interesse entstand der Waldorfschulverein St. Wendel e.V..
Zur gleichen Zeit riefen Menschen Birkenfeld der Verein zur Förderung alternativer Arbeits- und Lebensweisen e.B ins Leben. Es wurden verschiedene Arbeitskreise eingerichtet, darunter auch der Arbeitskreis "Anthroposophie".
Schon ein Jahr später trafen sich Vertreter der beiden Vereine, nachdem auch in Birkenfeld die Waldorfpädagogik in den Mittelpunkt des Interesses gerückt war. So kam es 1987 zu den ersten Überlegungen, gemeinsam zwischen St. Wendel und Birkenfeld einen Kindergarten zu gründen. Schnell war aber klar, dass beide Initiativen den Kindergarten eigenständig gründen sollten.
In den folgenden Jahren verloren sich die beiden Vereine fast ganz aus den Augen. Es gab in beiden Regionen regelmäßige eigenständige Treffen.
In St. Wendel fanden die Treffen wöchentlich donnerstags statt. Dazu wurden Räume bei der Familie Stapelmann in St. Wendel renoviert. Das Augenmerk wurde auf anthroposophische Schriften und Öffentlichkeitsarbeit gelegt. So wurde z.B ein Kinderfest im Stadtpark St.Wendel organisiert und immer wieder öffentliche Vorträge angeboten, mit dem Ziel, immer mehr Menschen zu finden, die auch einen Waldorfkindergarten oder eine Schule gründen möchten.
In Birkenfeld wurden 1989 ein Raum in der alten Schule von Dambach angemietet und renoviert. Ein Spielkreis entstand. Mütter und Kinder trafen sich einmal wöchentlich in dem angemieteten Raum. Von September 1989 bis April 1990 gab es dreimal wöchentlich eine Kindergruppe von 5 Kindern, die von einer Sozialpädagogin (einer ehemaligen Waldorfschülerin) geleitet wurde. Gleichzeitig wurde eine Gründungskindergärtnerin gesucht.
Im Sommer 1990 fand wieder eine Annäherung der Vereine und eine Erweiterung statt. Dazu trafen sich Vertreter der Initiativen von St. Wendel, Birkenfeld und Kirn. Ihr Ziel war es, die geistigen Grundlagen für die Gründung einer Waldorfschule in dieser Region zu schaffen.
In den Jahren 1991 und 1992 kam es - nach vielen vergeblichen Versuchen - in den beiden Vereinen St. Wendel und Birkenfeld zur entscheidenden Wende.
In St.Wendel fand 1991 der "letzte" Aufruf statt: "Wer möchte einen Waldorfkindergarten in St. Wendel?" Gleichzeitig meldeten sich zwei Waldorfkindergärtnerinnen, die auch zu diesem Informationsabend eingeladen wurden. Durch das große Interesse der vielen Menschen an dem Abend beflügelt, wagte die Initiative, die Erzieherinnen einzustellen und sich auf die Suche nach Räumlichkeiten zu machen; außerdem musste die Finanzierung abgeklärt werden. Es fanden sich geeignete Räume in St. Wendel, die in kürzester Zeit renoviert wurden, sodass schon nach den Sommerferien der Kindergarten mit 7 Kindern beginnen konnte.
In Birkenfeld kam 1992 der geplante Waldorfkindergarten in den Kindergartenbedarfsplan des Kreise Birkenfeld und gleichzeitig fanden sich zwei Gründungskindergärtnerinnen.
Der Verein wurde in einen "Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik e.V. Birkenfeld" umbenannt. Neben der Planung eines Neubaus wurden gemeinsam Räumlichkeiten in einem Privathaus in Brücken so hergerichtet, dass der Kindergartenbetrieb kurz nach den Sommerferien mit 14 Kindern aufgenommen werden konnte.
So waren alle Kräft eine Weile im Kindergartebetrieb gebunden.
Aber schon im Jahre 1993 entstand im Kindergarten St.Wendel die Keimzelle zur Schulgründung. Fr. Kluth-Witthaus, die heutige Klassenlehrerin der Klasse 2/3(veraltete Angabe), begann mit H. Altmeyer und Fr. Moore einen Arbeitskreis, mit dem Ziel, eine Schule im Raum St.Wendel-Birkenfeld zu gründen.
Dem Durchhaltevermögen von Fr. Kluth-Witthaus und H.Altmeyer ist es zu verdanken, dass sich in den folgenden Jahren der Kontakt zu Birkenfeld und zum Schwalbenhof bei Kirn unter Leitung von H. Dorn wieder verstärkte. Der neue Schulgründungskreis traf sich dienstags um 20.15 Uhr abwechselnd in Birkenfeld bei Familie Luther und im Waldorfkindergarten St. Wendel. Die Abende begannen mit praktischen Beispielen aus dem Waldorfunterricht, dann folgt ein Leseteil und anschließend widmete man sich der Organisation der Schulgründung. Meistens ließen wir in einer nahe gelegenen Gaststätte den Abend ausklingen.
Ein weiterer Verdienst von Fr. Kluth-Witthaus war es, dass sie 1995 für die Initiative einen Gründungslehrer gewinnen konnte. H. Dr. Günter Bohnstedt von der Waldorfschule Saarbrücken / Altenkessel konnte sich mit den Menschen und den Ideen verbinden.
Auf der Grundlage der pädagogischen Anregungen R.Steiners und durch die Auseinandersetzung mit aktuellen pädagogischen Themen (und Berichten) und den Zeiterfordernissen kristallisierte sich das pädagogische Konzept der geplanten Schule mehr und mehr heraus. So sollte die Schule von Beginn an stärker praxisorientiert sein und eine vielfältige Sinneserfahrung durch Einbeziehung der Schüler in die Landwirtschaft, Tierhaltung und handwerkliche Tätigkeiten ermöglichen. Unter dem Motto "Erziehung zur Kreativität, Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit" wurde eine Wanderausstellung in der Region organisiert.
Nach langen Überlegungen kam der Schulgründungskreis zu dem Schluß, aus organisatorischen Gründen einen eigenen Verein zu gründen. Am 27. Februar 1996 wurde von der einberufenen Versammlung dn der Alten Schule in Birkenfeld der Waldorfschulverein Saar-Hunsrück e.V. ins Leben gerufen. Die Satzung wurde beschlossen und ein Vorstand gewählt. Der Waldorfschulverein Saar-Hunsrück bestand bei der Gründung aus 34 Mitgliedern.
Zuvor hatte schon eine Vorstellung in der Landesarbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz /Saarland (LAG) stattgefunden; als Gründungsberaterin vom Bund der Freien Waldorfschulen unterstützte die Initiative Frau V. Maier. Besonder 5 Gründe sprachen dafür, im Bereich Nordsaarland und Hunsrück eine Waldorfschule zu gründen:
Die Nähe zu den Waldorfkindergärten in St.Endel und Birkenfeld
Das praxisorientierte Konzept der neuen Waldorfschule, das die landwirtschaftllichen und handwerklichen Impulse der Region Saar-Hunsrück aufnimmt, das den Zeiterfordernissen angepaßt, Hilfestellungen bei umweltbedingten Entwicklungsstörungen bietet.
Die Gründung sollte mit dazu beitragen, die biologisch-dynamischen Landwirtschaft der Region zu erhalten und zu stärken. Von Anfang an war eine enge Zusammenarbeit beider Seiten geplant.
Der Reiz der Landschaft mit ihren besonderen Steinen, die schon inder keltischen Kultur mythische Bedeutung besaßen.
Die Neuorientierung der Region Birkenfeld/Neubrücke durch die Fachhjochschule für Umwelttechnik und dem Ökompark.
Durch die besondere Hilfe von H. Cochlovius, dem Geschäftsführer der Waldorfschule in Bexbach, der die Initiative mit seiner Kompetenz und Freundschaft in vieler Hinsicht unterstützte, konnte im August 1996 dert Antrag auf Genehmigung einer Freien Waldorfschule erarbeitet und beim Kultusministerium eingereicht werden.
Die Vorstellung des Waldorfschulvereins Saar-Hunsrück beim Treffen der gründungswilligen Initiativen in Stuttgart (Bund der Freien Waldorfschulen) im September 1996 wurde für die Gemeinschaft ein großer erfolg. Es konnten zwar noch keine Gebäude vorgewiesen werden, aber sie hatte als einzige Initiative einen erfahrenen Gründungslehrer und konnte auch durch die große Anzahl der Menschen und die Art der Darstellung begeistern.
Das Ziel, eine Schule für das Schuljahr 1997/98 zu gründen, wurde immer greifbarer. Nun galt es, geeignete Räumlichkeiten zu finden. Aufgrund der geographischen Lage (Mittelpunkt des Einzugsgebietes für die Schule) kristallisierte sich das Gebiet um Türkismühle heraus.
Dort gab es ein Angebot, im Schulzentrum in Türkismühle RÄume anzumieten; dies wurde aber nur als absolute Notlösung angesehen. Die Entscheidung, sich mit der Schulgründung in Walhausen niederzulassen, fiel in den ersten Januarwochen im Max-Braun-Zentrum in Steinberg-Deckenhardt.
Nun galt es, auch die Öffentlichkeit zu informieren, um genügend Kinder für die ersten Klassen zu finden. So wurden Infoabende in der gesamten Region angeboten, wobei insbesondere die Wanderausstellung, auch in der Presse, großen Anklang fand.
Am 01.02.1997 wurde ein großes Ziel erreicht: bei der Deligiertentagung in Wuppertal wurde die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück in den Bund der Freien Waldorschulen aufgenommen.
Mit der Waldorfschule Saarbrücken/Altenkessel fand die neue Schule auch einen "Paten" an ihrer Seite.
Und dann war es endlich soweit, am 24.07.1997 genehmigte das Kultusministerium eine Schule zu gründen.
Nur mit dem großen Engagement der Eltern, Lehrer und Freunden der neuen Schule gelang es in knapp 2 Monaten, aus dem ehemaligen Aussiedlerwohnheim eine funktionstüchtige Schule herzurichten.
Seit der Zeit versuchte man auch, die Zusammenarbeit der Kindergärten und der Schule wieder zu stärken, da wir alle den gleichen Wunsch haben, Waldorfpädagogik für Kinder in unserer Region anzubieten.
Andrea Moore