Leitbild der Oberstufe
| Schule im Wandel |
Schulqualität ist in der Diskussion. Internationale Untersuchungen bescheinigen dem deutschen Bildungswesen Mittelmäßigkeit. Lehrer klagen über demotivierte Schüler und zunehmende Schulmüdigkeit. Die Wirtschaft klagt über unzureichend aufs Berufsleben vorbereitete Mitarbeiter. Das sich verändernde Arbeitsleben ruft nach Qualifikationen, Kompetenzen und Einstellungen, die das Schulwesen nicht hinreichend vermittelt. Die Debatte über notwendige Konsequenzen hinsichtlich der Schul- und Unterrichtsreform macht auch vor den Waldorfschulen nicht halt. Vieles was jetzt öffentlich gefordert wird – mehr soziale Chancengleichheit, mehr Praxisbezug, umfassende Persönlichkeitsbildung statt einseitiger kognitiver Ausrichtung, Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, Veranlagung der Fähigkeit zu lebenslangem Lernen, Formen einer erweiterten und individualisierten Leistungsermittlung – werden hier bereits seit 80 Jahren erprobt und kontinuierlich entwickelt. Allerdings haben sich auch in der Mehrzahl der Waldorfschulen inzwischen Traditionen etabliert, die - teilweise wenig hinterfragt - fortgeschrieben werden. Auch in der Waldorfschulbewegung wurde daher die gegenwärtige Debatte aufgegriffen um zu prüfen, wo zeitgemäße Reformen notwendig und möglich sind. |
| Spirituell erweitertes Welt-, Menschen- und Entwicklungs- Verständnis |
Jede Freie Waldorfschule entsteht aus einem lokalen Gründungsimpuls von Menschen, die sich mit ihrem freien Engagement persönlich und praktisch einsetzen, um das Entstehen der Schule zu ermöglichen. Die Freien Waldorfschule bauen auf einem gemeinsamen methodischen Ansatz, der sich aus dem spirituell erweiterten anthroposophischen Welt- und Menschenbild ableitet. Dieser konkretisiert sich in jeder einzelnen Schule den lokalen und Zeitgegebenheiten entsprechend. Die Gesellschaft, in die Jugendliche hineinwachsen ist heute geprägt von dynamischem Wandel, Globalisierung und fortschreitender Individualisierung. Bildung, die Heranwachsende auf die Bewältigung und aktive Mitgestaltung dieser gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorbereitet, muß verstärkt biographische Gestaltungskompetenz vermitteln. |
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Selbstfindung Selbstentwicklung Mitgestaltung |
Die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück hat es sich seit ihrer Gründung zum Leitmotiv gemacht eine pädagogische Konzeption zu entwickeln und umzusetzen, die in jungen Menschen - unabhängig von ihrem Bildungsniveau oder ihrer sozialen Herkunft - gezielt Kompetenzen und Einstellungen fördert und entwickelt, die ihnen ein erfolgreiches Bestehen und aktives Mitgestalten in Gesellschaft und Beruf ermöglicht. Dazu gehören die Fähigkeiten Eigenverantwortung zu übernehmen, eigene Kompetenzen realistisch einzuschätzen und eigeninitiativ lebenslang weiterzuentwickeln. |
| Schule ins Leben | Um diese Ziele zu erreichen, müssen Schüler motiviert und befähigt werden, sich den Zeitaufgaben zu stellen. Zur Förderung von Motivation und Eigeninitiative der Schüler baut die pädagogische Konzeption auf folgenden Grundprinzipien: Die bewusste Wahl eines ländlichen Standorts für die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück bietet eine Fülle pädagogischer Möglichkeiten für eine naturnahe, ökologische Erziehung und eine vielfältige Anregung der Sinnesentwicklung der Kinder: |
| Leben in die Schule |
>> Verstärkter Praxis- und Lebensbezug des Lernens Öffnung der Schule durch vielfältige lokale und internationale Begegnungsmöglichkeiten, Kontakte und Partnerschaften; Aktive Teilnahme der Schule an Gestaltungsaufgaben des gesellschaftlichen Umfelds in Form von Projekten und Arbeitsgemeinschaften; Wirksamkeit der Schule in ihre konkrete Umgebung. >> Erweiterte Unterrichts- und Lernformen Verstärkter Einsatz schülerzentrierter Unterrichtsmethoden zur Förderung von Motivation |
| Schule in Bewegung |
Kinder brauchen äußere und innere Bewegung. Das Schulkonzept kommt den Anforderungen der körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung durch eine gleichgewichtige Betonung kognitiver, künstlerischer und handwerklicher Fächer entgegen Die Die Unterrichtsmethoden leiten sich von den Entwicklungsbedürfnissen der jeweiligen Alterstufe ab. Das heißt vor allem in den unteren Klassen Lernen aus dem Tun, viel Bewegung und eine starke Betonung des Rhythmischen. |
| Der Schulbauernhof | Die bewusste Wahl eines ländlichen Standorts für die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück bietet eine Fülle pädagogischer Möglichkeiten für eine naturnahe, ökologische Erziehung und eine vielfältige Anregung der Sinnesentwicklung der Kinder: |
| Naturbezug und Schulung der Sinne | Ein besonderes Element des Schulprofils ist in diesem Zusammenhang der Schulbauernhof. Er wird von einem ausgebildeten Landwirt nach biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise geführt und gemeinsam mit den Schüler/innen bewirtschaftet wird. Seine Produkte versorgen u.a. die Schulküche, die im Rahmen der freiwilligen Ganztagsschule Kinder und Jugendliche mit einer Mittagsmahlzeit versorgt. |
| Praktika - Projekte |
Wesentliche Methoden der Realisierung von Lebens- und Praxisbezug sind in den oberen Klassen Praktika und Projekte. Praktikums-/Projektzeiten Während der Klassenstufen 9-11 nehmen die Schüler an folgenden Blockpraktika teil: 9.Klasse: # Landwirtschaftspraktikum (3 Wochen) # Betriebspraktikum (3 Wochen) 10. Klasse: # Vermessungspraktikum (1 Woche) # Betriebspraktika/Projekte (11 Wochen) 11. Klasse: # Sozialpraktikum (3 Wochen) # Betriebspraktikum/Projekt (3 Wochen) 12. Klasse: # Betriebspraktikum/Projekt (3 Wochen) # Schauspiel (Klassenprojekt, 3 Wochen) # Kunst-/Studienfahrt (3 Wochen) JUMP – ein selbstverwaltetes Schülerprojekt JUMP (Jugend – Medien – Projekte) ist eine selbstverwaltete Jugendorganisation, die von Schülern der Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück ins Leben gerufen wurde und von ihnen verwaltet wird. JUMP bietet das organisatorische Dach für Initiativen, Arbeitsgruppen und Projekte der Schüler. Eine der Aktivitäten ist die JUMP – Medien Arbeitsgruppe. Durch die Produktion von Fernsehsendungen für Jugendliche erwerben die Schüler ein kritisches Verständnis für den Umgang und Einsatz von Medien und Information. Hauptziele von JUMP sind: # Stärkung von Initiative und sozialem Engagement von Jugendlichen; # Anregung selbständiger Urteilsbildung und eines kritischen Medienbewußtseins; # Engagement für interkulturelle Toleranz; # Einsatz für nachhaltige Entwicklung auf lokaler und globaler Ebene (Ressourcenschonung, Umweltschutz, Armutsbekämpfung). Diese Ziele werden umgesetzt durch Aktivitäten und Projekte in den Bereichen Kunst, Medien, Wirtschaft, Umwelt und Sport. JUMP strebt nach internationaler Vernetzung mit Jugendorganisationen mit ähnlicher Zielsetzung. Lokale und Internationale BegegnungDen Schülern sollen vielfältige Möglichkeiten zur praktischen Begegnung mit lokalen und internationalen Persönlichkeiten, Organisationen und Initiativen geboten werden. Dazu dienen # Klassenfahrten # Schulpartnerschaften # Teilnahme an lokalen und internationalen Projekten |
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Abschlüsse Aufschlüsse |
Prüfungen als klassische Formen der Lernerfolgskontrolle werden in der Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück ergänzt durch erweiterte Prüfungsformen. Sie werden mehr als Aufschlüsse für zukünftige Entwicklungsetappen denn als Abschlüsse früherer Lernphasen angesehen. Formen der Selbstbeurteilung seines Entwicklungsfortschritts durch den Jugendlichen treten mit zunehmendem Alter in den Vordergrund gegenüber der Fremdbeurteilung durch den Lehrer. Die Rolle des Pädagogen wandelt sich in die des Beraters und Entwicklungsbegleiters. Elemente der erweiterten Prüfungsformen sind: # regelmäßiger Entwicklungs- und Laufbahngespräche mit allen Schülern zur Förderung von Selbstbeurteilung und eigenverantwortlicher Selbstentwicklung; # Portfolio und Kompetenzdossier mit denen Jugendliche ihre formell und informell erworbenen Kompetenzen und Entwicklungsschritte dokumentieren und nachweisen. Die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück versteht sich als eine integrierte Gemeinschaftsschule, die durch ihren praxisorientierten Ansatz und Formen innerer Differenzierung Jugendlichen verschiedener Begabungsrichtungen den Weg in ihr berufliches und gesellschaftliches Leben ebnen möchte. Lehrplan und pädagogische Konzeption der Schule sind darauf ausgerichtet, daß alle Schüler einen 12 - klassigen Bildungsgang durchlaufen. Dieser schließt mit einer gemeinsamen Theateraufführung und einer von jedem Schüler angefertigten Jahresarbeit in der 12. Klasse ab. Die Bildungsgänge an der Schule sollen es allen Schülern ermöglichen, die von ihnen angestrebte staatliche Berechtigung (Hauptschulabschluß, Mittlerer Bildungsabschluß, Allgemeine Hochschulreife) zu erwerben. Die Schule ist in Teilen des Unterrichts ab Klasse 11 so differenziert, daß jeder Schüler sich angemessen auf die von ihm gewählte Laufbahn vorbereiten kann. Die Hauptschulabschlußprüfung kann in der 10. Klasse abgelegt werden, der Mittlere Bildungsabschluß in Klasse 11. Die 13. Klasse dient der Vorbereitung auf das Abitur. |
| Lernende Schule |
Schule, die lebenslanges Lernen vermitteln will, muß kontinuierliche Entwicklung in ihrer eigenen Organisationskultur verwirklichen. Die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück versteht pädagogische Innovation und Schulentwicklung als eine dauerhafte Aufgabe. Praxisforschung – die kontinuierliche Beobachtung, Reflexion, Sicherung und Verbesserung der Qualität und Wirksamkeit , gehören zu den ständigen Aufgaben der Pädagogen. Dadurch wird die Schule selbst zur lernenden Organisation. Um die Prozesse kontinuierlichen Lernens zu sichern, strebt die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems an. Kernelemente dieses Systems sind: # die Beschreibung und Weiterentwicklung der pädagogischen und sozialen Qualitätsziele; # kontinuierliche Förderung der Mitarbeiterqualifikation; # die Beschreibung und Kontrolle qualitätsrelevanter Prozesse. Kontinuierliche Praxisforschung gehört zu den Grundaufgaben der Pädagogen an der Freien Waldorfschule Saar-Hunsrück. Die pädagogischen Konferenzen, regelmäßige Mitarbeitergespräche und systematische Fortbildungsmaßnahmen (pädagogische Arbeitstage, Tagungen usw.) dienen der Reflektion der Praxiserfahrung und der kontinuierlichen Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts. |
